horizontart |
|
Stefan Bohl |
Home
Malerei
Fotografie
Information
Kontakt
Impressum
Links
![]() |
Die Stille gehört zum Bild, wie das Einatmen zum Ausatmen. In der Stille müssen wir wieder heimisch werden, wenn wir zu bewussterem Sehen und Wahrnehmen kommen wollen.
Benedikt Werner Traut


Weg zur Stille
Müde vom Lärm
schaue ich nach Innen,
halte Einkehr,
begebe
mich
auf den
Weg
zur Stille
immer weiter
zur Stille
bis der Stille Stimme
lautlos klingt
wortlos spricht
Stefan Bohl
Die Erde schweige
Bei deinen Hymnen,
Bei deinen Gebeten.
Voll Ehrfurcht schweige
Alles, was Kosmos ist,
Deine Werke, oh Vater: Schweigen soll
Das Wehen der Winde,
Das Rauschen der Bäume,
Der Sang der Vögel; Still soll der Äther,
Still soll die Luft Lauschen dem Sang.
Das Rauschen der Wasser
Stehe schweigend still
Unter der Erde.
Synesios von Kyrene
* Seite 285
Meister Eckhart

Schweigen
heißt
der Stille lauschen,
ihre leisen Töne sammeln
und zum Lied sie
fügen.
Und unmerklich nähert Außen
sich dem
Innen,
schmelzen sie zu einem.
Dieses eine ist s, aus dem
das Klingen tiefer Stille dringt.
Eins im Ganzen, ganz im
Einen
bist Du's, der da singt
und spricht
im
Schweigen.
Judith Magdalena Kornev - Rietmann
Entrückt
ins Nirgendwo
ist alle Ferne,
und
schimmernd weißes Schweigen fällt,
als sei im Reich einsamer
Sterne
ein Stern zersplittert, fiele auf die Welt.
Hier
liegt es, dieses Licht und strahlt
und macht die Nächte seltsam
hell
Auf Straßen, Häuserwänden malt
es eine Stille, wie
sie dort, von wo es viel,
die Sterne hütet - groß und hell.
Judith Magdalena Kornev - Rietmann
Aus „Der Wald und der Fluss“von Karl Ove Knausgard,
„Lange stand ich für einen der größten Gemälde der Ausstellung. Es hieß „Aschenblume“ und war dem Dichter Paul Celan gewidmet. Es war gigantisch. Annähernd 8 m breit und 4 m hoch, und es war schlicht, es zeigte ein teilweise schneebedecktes Feld unter einem grauschwarzen Himmel. Mehrere große schwarze verbrannte Bücher aus Blei waren an der Leinwand befestigt, und unten waren entlang der rechten Seite einige Wörter gekritzelt,d ie offenbar aus dem Gedicht vonCelan stammten. Das Bild ließ sich ja vielfältigerweise verstehen, aber als ich es dort betrachtete, spielten Interpretationen keine Rolle. Da ging es nur um die Gefühle, mit denen es mich erfüllte. Es ging mir nicht so, als sähe ich ein Bild von mir, es war viel mehr, als würde das Bild mich umschließen und mit seiner Stimmung ausfüllen, der ich mich unmöglich erwehren konnte. Den anderen Besuchern, die den Raum betraten und sich vor das Bild stellten, schien genauso zu gehen, denn sie wurden alle still, als wären sie plötzlich an einen anderen Ort, in ihrem Inneren, versetzt worden. Wir befanden uns mitten in einer Millionenstadt, ihre Geräusche wirbelten mahlstromartig Tag und Nacht, Autos hupen, Motorräder heulten auf, Metall ertönte, Menschen riefen, Sirenen erschallten, an und abschwellend, unter dem Himmel, doch vor diesem Bild hörte das alles auf, es schien die Welt beiseite zu schieben und seine eigene zu schaffen. Darin lag eine große Kraft. Es war die Kraft der Kunst, dass, was sie zu leisten vermochte. Etwas anderes gegenwärtig werden zu lassen. Was lies dieses Bild gegenwärtig werden? Das Gefühl, die Welt zu sehen, wie sie ohne eine andere ist. Das Gefühl, die Existenz an sich zu sehen. Das Gefühl, die Welt zu sehen, wenn man selbst nicht mehr in mir ist. Aber auch den Holcaust-..........Als stimmten Kiefers Bilder die Zuschauer auf einen Ernst ein, den wir alle kennen, aber nur selten zum Zug kommen lassen, einen Ernst, der manchmal von Feierlichkeit geprägt ist, bei anderen Gelegenheiten aber fürchterlich ist. „

Weiß ist die Stille
Weiß ist die Stille
die Stille ist weiß
wie die letzte Seite
im Buch meine Tage
wie die Botschaft
in der unsichtbaren Geheimschrift
wie Schneeglöckchen im Märzenwind
wie das nordische Wollgras
auf Einsamkeitswiesen
und wie die vielen ungeliebten
Stunden und Jahre
Stumm
ist die Stille
die Stille ist stumm
wie das dämmrige Zimmer
und die Münder der Fische
wie der Tau am Herbstmorgen
wie das Niederschlagen der Augen
und wie die lautlosen
wachen Nächte
Weiß
und stumm ist die Stille
samten und leicht
legt sich um mich wie ein Mantel
damit ich nicht
an all euren Wörtern
erfriere
Ingrid Haushofer
Im leeren Zimmer
tickt die Stille
Vor meinem Fenster
die Wolke
am unwirklichen Märzhimmel
Wohin
soll sie ziehen?
Hier singt die Amsel
jetzt
und die Nacht holt sie ein
Der Hund schläft
Die Stille tickt
Von meiner Stirne
tropft Schweigen
Träume rieseln
aus meinem weißen Kinderhaar.
Das Leben
lebt sich
ohne mich.
Ingrid Haushofer

Wenn ich in der Natur bin, bin ich nie alleine, ich habe gelernt der Stille zuzuhören.
Meister Eckhart
Immer stiller
bis an die Grenze des Schweigens
immer stiller
vor dem Unendlichen
immer stiller.
Tiefer sehen
bis auf den Grund des Seins. Tiefer sehen
bis zum Einssein mit allem.
Tiefer sehen
bis
die Teile zum Ganzen werden.
Durchgang
Leben ist Aufbruch und Abschied,
Durchgang und Übergang,
Suche nach Ursprung und Ziel,
Frage nach Woher und Wohin,
Hunger nach Brot und Schönheit.
Wir gehen durch Tore
von einem Raum zum anderen,
zu immer neuen Anfängen.
Wir sind auf der Brücke
von einem Ufer zum anderen.
Sehnsucht lässt uns weiterziehen,
einen Weg durch die Fremde.
Jeder Schritt wagt den Fall.
Wir müssen bleiben
und die Vergänglichkeit aushalten.
Wir kommen aus der Stille
unvordenkliche Zeiten,
wir werden zurückkehren
in eine Stille
unvorstellbarer Dauer.
Wir bewegen uns
von Geheimnis zu Geheimnis,
von Staub zu Staub,
von Unbekanntem
ins Unbekannte,
In die Stille,
in schweigende Räume
der Unendlichkeit,
in die Ewigkeit.
Was bleibt, ist die Stille
Es sind die leisen Töne
die ich liebe,
das Ticken der Uhr,
das Rauschen der Blätter,
das Gurren der Tauben,
das Rufen des Kuckucks,
das Summen der Bienen,
was bleibt, ist die Stille,
das Plätschern des Baches,
das Schweigen der Berge,
das Singen der Vögel,
das Klopfen des Spechtes
jede Stunde
hat ihren Klang
jeder Augenblick
sein Echo,
seinen Nachhall.
Die Stille
öffnet die Zeit
in die Ewigkeit,
in die Begegnung
mit Gott.
Was bleibt,
ist die Stille.

Hörst
du Geliebte, ich hebe die Hände -
hörst du: es rauscht...
Welche Gebärde der Einsamen fände
sich nicht von vielen
Dingen belauscht?
Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider
und auch das ist Geräusch bis zu dir.
Hörst du, Geliebte,
ich hebe sie wieder......
... aber warum bist du nicht hier.
Der
Abdruck meiner kleinsten Bewegung
bleibt in der seidenen Stille
sichtbar;
unvernichtbar drückt die geringste Erregung
in den
gespannten Vorhang der Ferne sich ein.
Auf meinen Atemzügen
heben und senken
die Sterne sich.
Zu meinen Lippen kommen die
Düfte zur Tränke,
und ich erkenne die Handgelenke
entfernter
Engel.
Nur die ich denke: Dich
seh ich nicht.
Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder
Stille
Hörst du in der Ferne den Hund hin? Oder das Auto, das vorbeifährt, lausche aufmerksam. Kannst du darin die Gegenwart des Unmanifesten spüren? Nein? Suche es in der Stille, aus der die Geräusche kommen und zu der sie zurückkehren. Achte mehr auf die Stille als auf die Worte. Wenn du auf die äußere Stelle achtest, erschaffst du innere Stille: der Verstand wird ruhig. Ein Portal öffnet sich.
Jeder Ton wird aus der Stille geboren, stirbt zurück in die Stille und ist während seiner Lebensspanne von Stille umgeben Stille ermöglicht dem Ton das Sein. Sie ist der Unmanifeste Anteil, der jedem Geräusch zutiefst angehört, jede Note, jedem Lied, jedem Wort. Das Unmanifeste ist in dieser Welt als Stille gegenwärtig. Nichts in dieser Welt, so wurde gesagt, gleicht Gott so sehr wie die Stille. Du musst nur darauf achten. Werd dir selbst während eines Gesprächs der Lücken zwischen den Wörtern bewusst, der kurzen stillen Zwischenräume zwischen den Sätzen. Dabei wird die Dimension von Stille in dir wachsen. Du kannst nicht auf die Stille achten, ohne auch innerlich still zu werden. Stille außen, Stille innen. Du bist in das Unmanifeste eingetreten.
Der Durchgang durch die große Stille
Nun geht es durch das Felsentor hinaus in jene nächtlich tiefe Einsamkeit des Wassers, in der die Wege enden. Was dich geführt hat, bleibt zurück und gib dich frei. Der Engel schweigt. Es schweigt das Meer. Die Sterne sind verhüllt - du bist allein. Das einzige zählt in dieser todesgroßen Stille, was alle Prüfungen überdauert, ist Demut. In ihr erlischt die Furcht. Das Wasser weicht - es öffnet sich ein schmaler, nie begangener Fahrt, so viel dein Fuß für jeden nächsten Schritt bedarf und das ist alles, was du dir von dieser Stunde, von Augenblick so Augenblick erbitten sollst. Im Zeichen des Gekreuzigten durchwanderst du die Mitternacht, die Meerestiefe aller Welt. Er wird es sein in erster Morgenfrühe, der dich erwartet, der am neuen Ufer steht: der Auferstandene wird dir entgegenkommen.
Roswitha Bril - Jäger
Die Stille ist die Schwester des Göttlichen
" Es gibt zwei Arten von Stille", sagte Kaspar," so kam es mir jedenfalls immer vor. Die hohe Stille, die hinter dem Gebet. Die Stille, wenn man dem Göttlichen nahe ist Die Stille, welche die verdichtete, Ungeborene Anwesenheit allen Nichts ist. Und dann gibt es die andere Stille. Hoffnungslos weit entfernt von Gott. Und von anderen Menschen. Die Stelle der Abwesenheit. Die Stille der Einsamkeit. "

Eine Auswahl eigener Gedichte
Gewählt
habe ich mir
die Einsamkeit
am Meer.
Ein tiefer Atemzug
Licht,
wie ein
Wellenschlag
zart an
den Rand
der Seele.
Ein stilles
leises Glück
flutet
in mich ein
zieht sich zurück
kommt wieder
erfüllt mich
sanft
in
rhythmischer Bewegung
wie ein lang ersehntes
Wort.
In Stille gehüllt
halb im Traum
versunken
haucht mir ein warmer Wind
sanft streichelnd
über den Körper.
Nackt
bin ich Eins
mit Sand Meer Wind Licht
atme
Ruhe
tief in mich ein
im Herz
des Augenblicks.
Der Wind
hält
seinen Atem an.
Kaum ein Halm
der sich rührt -
kein Ton erklingt.
In der Seele wächst
aus der Stille
ein Sturm
inneren Friedens.
Ein
stilles Lebensglück
hüllt mich ein
in Wärme
und Wind.
Stille
ein flüchtiger Ton
das Brummen einer Fliege
naht
IST
vergeht
in der
Stille
Es wächst
ein Bild in die Stille
golddurchflutet
Lichtfäden
auf Sand gemalt
ein abklingender
Farbenrausch
über dem rhythmischen Spiel
der Wellen
im letzten
Strahl der Sonne.
Sonnenuntergang
Einsam wandre ich
über die grosse Weite
der Sonne entgegen
die sich in
stiller Bewegung
dem Horizont
entgegen neigt.
Es wandelt sich das Licht,
dem kommenden Dunkel
zugewandt
im letzten Atem
des Tages.
Der Moment
eingetaucht
in farbkräftige
Schönheit
die sich
wie ein Strahlenmeer
in die
stille Atmung
der
hingegebenen Seele
ergießt.
Licht,
der Sichtbarkeit entzogen,
doch schon bald
im Inneren
aufgehend
im
Nachklang.

Erfüllende Einsamkeit
Vor dem Horizont
Stille
aus der ein Ton in dir
erklingt
einig mit den Stimmen
der sich um dich
wölbenden Weiten -
zart
ein warmer Hauch
ein Moment
der tiefsten
schönsten Einsamkeit
als würde sich
die Welt
in den Kelch
deiner Hingabe
erfrischend
ergießen.

Es ist
als hätte der
Schnee
alle Geräusche
eingeatmet
und
in
Licht
gewandelt.
Sie fallen
fallen
weise Flocken
leicht
sie fallen
Sterne
Kristalle
geboren
in der Höhe
aus der Stille
geschöpft
fallen sie
vom Himmel herab
und senken sich
wie ein zarter Klang
Licht
mit heilender
Gebärde
in den offenen
Atem
der
Seele
Landschaft
Winter
Verwandelt
die Welt
in stilles Licht
Alles ist Weis
als hätte sich
ein kristallenes
Tuch
wie von
Zauberhand geführt
auf die
Gärten gelegt
die Wälder, Flüsse und Seen.
Besänftigt
der Städte Grau
beruhigt die
Getriebenen
Es hebt sich
im erhabenen Moment
ein tiefes Leuchten
in der
Seelen
andächtiges
Lauschen

Auch so kann Stille sein! wenn es nicht wirklich still ist.
Wenn zwei beieinander sind und sich kein Wort bewegt zwischen den Beiden, vielleicht weil sie sich nicht zu sagen haben, weil sie das Wort nicht finden, dass zu dem anderen hinreicht, weil zwischen ihnen keine Fülle ist, stattdessen stechende Leere, weil sie Trennung spüren, weil sie die Nähe verloren haben.........oder gar die Liebe.......... dann ist Stille! Das Wort ist in der Sprachlosigkeit verloren, wie der Tropfen in der Wüste, zu der geworden ist, was einmal Landschaft war. Man könnte sich anfassen......berühren....doch die Ferne ist unüberwindlich.
Auch in solch einem Kleid kann sich die Stille zeigen. In der Sprachlosigkeit, in der verlorenen Verbindung oder in der Bezuglosigkeit, in der Befremdung. Oder auch in der Abwendung, im dunklen Gefühl, in den Dornen als der einzigen Gestalt der nicht gesprochenen Sprache................auch so kann sich Stille zeigen.
Äußerlich kein Klang.
Im Innern aber ist es laut, ist das nicht gesprochene Wort zum Schrei geworden, zum Sturm der schmerzhaft über die Seele jagt, und der Ort, an den man gekettet ist, von dem man flüchten möchte, ertönt lauter als alles Geschrei der Unterwelt. Stille ist dann nicht!
Wenn einer mit sich selbst alleine ist im Raum der Einsamkeit, dann mag es still sein für da äußere Ohr. Die Einsamkeit, der Ruf der Sehnsucht, Durst, Hunger bewegen sich im Raum der gepeinigten Seele gleich einem gefangenen Tier. Es ist ein Anstoßen an die Wände der Welt, ungesehen, unbemerkt, alleine, einsam – unsichtbar ein Verbluten im Nichtsraum. Die Lautstärke im Selbstgespräch übertönt alles äußere Schweigen. Stille ist dann nicht!
Der ungebremste Gedanke, ungezügelt, negativ vergiftet, ein vielarmiges Delta verdunkelt das Meer der Ruhe - ist Ruhelosigkeit, auch wenn er von keinem Ohr gehört wird.
Wenn wir uns nicht zu sagen haben sind wir laut.
Wenn ich mir nichts zu sagen habe, bin ich laut.
Die Leere ist laut.
Und wird gehört.
Ist Stille wenn der Klang im Äußeren nicht ist? Ist die äußere Stille wirkliche Stille?
Stille ist eine Urgewalt. Sie schafft uns einen Kraftort im Inneren. Stille ist tätig! Sie räumt hinweg alles Störende, Übertönende, Geschwätzige, schafft Raum, dass sein kann in uns, anwesend!, was unsere Lautstärke überflutet, dass sein kann ins uns, was wesentlich ist, den Stimmen, die sonst ungehört, Stimme gibt. Stille ist gleich einem Licht, rein fließend in die Gegenwärtigkeit aus dem inneren Quell. Ich bin DER innere Quell, schöpfend aus dem Quell aus dem ich bin. Der innere Quell aus dem ich bin, ist die Allgegenwart in der Stille, ist das Wort aus dem alles Gewordene geworden ist.
Stefan Bohl