Es fordert etwas Mut Eigenes und somit sehr Intimes auf eine öffentliche Website zu stellen. Dies sieht möglicherweise nach Selbstinszenierung aus. Mein Anliegen ist ein Anderes und liegt im Bedürfnis um Austausch. Der Austausch, das Gespräch als eine wesentliche Ausdrucksform des Geistes. Ein Austausch findet schon im Ausstellen bzw. beim Betrachten eines Kunstwerkes statt. Das Bild, die Skulptur sprechen für sich - oft am wirksamsten im Stillen ohne lautstarke Erläuterungen.
Ein Austausch findet auch statt wenn jemand das hier Geschriebene einfach nur mit innerer Aktivität liest.
Worte sprechen auf eine andere Weise.
Unberührte
Ich stelle immer wieder fest, dass das was in der Natur so wunderschön ist und von unaussprechlicher Innenkraft, im eigenen Malakt so blass, fast lächerlich daher kommt, wie ein leeres Gefäß, oder eine erloschene Lampe, ohne Tiefe, mehr ein Nichts als überhaupt irgend etwas - der Innenkraft beraubt. Hier liegt wohl der Grund weshalb detailgetreue Bilder nach der Natur oft so kitschig wirken und sind, technisch vielleicht gut gemalt, aber leer, was die betrachtende, Zusammenklang suchende Seele nicht berühren kann. Jedes Bild ist eine Art Selbstporträt, das manchmal weniger, oft aber sehr viel über den Maler sagen kann, oft mehr als jeder Versuch der Selbstbeschreibung. Auch hier kann man lügen oder sich selbst belügen, aber dem sensiblen Betrachter wird das wahre Gesicht nicht entgehen.
Ein Bild ist wie ein Selbstporträt. Ein Selbstporträt, oder auch ein Porträt - wenn es gut gemalt ist - kann richtig schön sein, beeindruckend in seiner künstlerischen Umsetzung, die abgebildete Person innerlich erfasst und in ihrem wahren Wesen spürbar ist - doch was ich meine ist etwas anderes: Das Werk an sich, jedes einzelne Bild vermag seinen Schöpfer zu porträtieren, sein inneres Wesen zu offenbaren. Die Signatur eines menschlichen Urgrunds zu skizzieren. Jeder schafft in seinem Werk entsprechend seiner Persönlichkeit und kann dies nicht anders tun. Ein Jawlensky kann nur wie ein Jawlensky malen, ein Kirchner wie ein Kirchner,.................und was sich da über das Geschaffene ausgedrückt beschreibt seinen Schöpfer. Diese Art der Selbstbeschreibung lässt einen Raum entstehen, der dem „normalen” Selbstporträt nicht zugänglich sein kann. Über die ungegenständliche Kunst können schönste und wahrhafteste Porträts gezeichnet werden: die Räume sind groß und offen - frei vom gegenständlichen Ausdruck entsteht ein kreatives, kraftvolles „Nichts” in den hineinklingen , leuchten, färben, sprechen kann was wirklich ist - auch was wirklich ist in /aus dem Menschen der das Bild gemalt, das Kunstwerk geschaffen hat. Dem unsichtbaren Auge, Ohr des sensiblen Betrachter wird sich die Persönlichkeit offen zeigen - offen zeigen müssen. ......Technik ist eine Hilfe die Grenze des Möglichen voll auszuschöpfen, die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, der eigenen Malerei mehr Grund und Gerüst zu geben, aber sie kann den Künstler auch hindern, ihn in einer Form einengen............. Der eigene Stil: ich versuche viel, versuche anderes zu malen als nur immer meine „Horizonte”, auch andere Techniken und bemerke dabei wie ich immer wieder zu „meinem Ausdruck” finde, dass ich es nicht schaffe (und auch nicht schaffen will) bei „etwas anderem” stehen zu bleiben, bei etwas stehen zu bleiben was mir fremd ist. Ich kann dann nicht anders als so zu malen wie es mir gemäß ist. Und dennoch: ich möchte wie ein Entdecker noch viele mir jetzt noch unbekannte Länder betreten, offen für Neues sein und versuchen diese Neue zu sehen und zu ergreifen. Der mir gemäße Stil soll mir nicht zur Fessel werden Ich male immer und immer wieder Horizontbilder. Nicht weil mir nichts anderes einfällt - der Weg führt mich ein jedes wieder zu diesem einen Ausdruck. Dahinter steht ein sich wiederholendes Ringen - immer um ein und dieselbe Frage, deren Antwort ich mich im Malen annähere. Ich nähere mich dem Horizont, der mir dennoch weiterhin unendlich weit entfernt zu sein scheint. Die Bilder - die Horizontbilder, die Vertikalbilder - entstehen so wie sie sind, weil ich dies so für mich brauche. Nicht immer gelingt es. Die Bilder, genauer gesagt, der Weg zum Bild führen mich zu einer gewissen Ruhe, heben mich in guter Weise aus dem Alltag heraus, sind manchmal wie Balsam auf der Wunde der inneren Schläge die ich mir selbst zufüge in meinem inneren Getriebensein. Die Bilder helfen mir zur Ruhe. Ein Bild zu malen ist Arbeit - tätig und wirkend bis ins Blut hinein. Und wenn es gelingt, glaube ich zu spüren wie mein Blut beginnt anders zu fließen, wird mir der Kopf freier, spüre ich eine angenehme eher stille, manchmal auch kräftige Frische, lösen sich Fesseln, fallen Verspannungen... Vielleicht beschreite ich beim Malen manchmal eine andere Welt - ohne es recht zu bemerken, wach und dennoch Woanders. Vergessen ist die Welt um mich herum. Manchmal geschieht etwas, was sich mit dem Aufwachen aus dem Schlaf vergleichen lässt. In den Schlaf bin ich ermüdet und erschöpft getreten und damit in eine Welt die meinem wachen Bewusstsein noch nicht zugänglich ist, in der sich ein Lebens - Geist - Kraftbrunnen findet aus dem ich schöpfen darf und neugeschöpft wieder die Tür zum Aufwachen öffne...............so scheint es mir auch manchmal beim Malen zu sein.
Die ungegenständliche, abstrakte Kunst ist für mich überhaupt nur interessant insofern ich davon ausgehe und damit lebe das sich die Quellkräfte unseres Lebens in einen unsichtbaren Bereich befinden, als Kräfte und Wirkungen, doch nicht als sinnliche messbare Erscheinung spürbar - folglich macht es auch keinen Sinn sinnlich abzubilden was nicht sinnlich ist. Man kann aber versuchen in seinem Kunstwerk so etwas zu schaffen wie ein Fenster oder eine Brücke - Brücke und Fenster zum Jenseits.
Ich bin nur Sekretär. Ich schreibe auf was sie mir sagen - die Dinge: Alle tragen sie ein Gedicht in sich, ein Lied, ein Bild.............Worte die sie über sich sagen wollen. Die Wanderschaft des Lebens - deren Wegmarkierungen in Begegnungen lagen mit Menschen, mit Natureindrücken und im Besonderen in solchen mit der Kunst, dem Quell der Kreativität aus dem Menschen in seiner hervorgehobenen Position zwischen Himmel und Erde - diese Wanderschaft hat mich dazu geführt, dass es mir zur Selbstverständlichkeit wurde mich zu jedem Moment meiner/unserer Existenz von einer unsichtbaren Welt begleitet zu fühlen. Die geistige Welt ist mir Realität und als Schaffender in der Kunst fühle ich mich als ein Sekretär, ein Aufschreibender, ein Malender, ein Vermittler in dem durch mich - der ich ein Instrument bin - aus der geistigen Welt, aus der jenseitigen Welt Klänge in die Wahrnehmbarkeit hinein ertönen - wie eine Erkenntnis - ein gut gemalter Bild möchte aufwecken, Erkenntnisse im Betrachter, im Hörenden, im Fühlenden auslösen. |
Ich fühle mich als Künstler auf der Suche nach dem Geistigen. Die Kunst gibt mir Möglichkeiten mich dem Geistigen zu nähern.
Mithilfe der Kunst trete ich in Berührung. Wenn ich im Malen um Gestalt, Farbe und Ausdruck oder im Schreiben um Worte und Gedanken ringe ist es als betrete ich einen sprechenden, klingenden, lichtenden Raum - einen Raum der immer da ist, aber doch zumeist verschlossen weil unbeachtet. Die Konzentration im Schaffen, im tätigen Prozess ist wie ein Schlüssel. Es wirkt etwas in mir, es verändert sich etwas, es geschieht etwas was sich kaum greifen lässt und dennoch mit elementarer Gewalt auftritt. Ich finde eine hohe Lebendigkeit die sich mir zuwendet, mich erfüllt, mich gestaltet. Ich gestalte und werde gestaltet. Es ist intensiv und zugleich flüchtig leicht, kaum ein Hauch. Ein Hauch und ein Sturm. Und vor allem sage ich mir: arbeite an dir selbst wie du an einer Skulptur arbeitest, wie Du aus dem Nichts der leeren Leinwand ein lebendiges wirksames Bild entstehen lässt, wie Du aus dem ungefügten der einzelnen Laute und Begriffe im Schreiben Worte zum Klingen bringst und im Zusammenfügen der Töne dieselben zu sprechen - schaffe und verändere Dich selbst. Sei Künstler und Kunstwerk in einem.
„Der wahre Leser muss der erweiterte Autor sein.” Novalis
Nach der Ausstellung Marc Rothko im Beyeler, 23.4.2001
Die Begegnung mit anderen Künstlern und deren Werk sind ein Teil meines Lebens und einige dieser Begegnungen haben mein Leben verändert, ihm einen kleinen, manchmal vielleicht sogar einen großen Stoss gegeben und der Bahn meines Wandelns eine andere Richtung gegeben. Nach diesem Berühren lebt in mir eine tiefe Sehnsucht. Eine Sehnsucht zum Gespräch mit dem einfühlsamen Betrachter. Und wie für Rothko, wäre dies auch für mich am ehesten erfüllt, nicht durch viele Ausstellungen mit vielen Betrachtern und der damit zwangsläufig verbundenen Unruhe, sondern über stille Orte an denen die Bilder allein für sich und au sich zu dem Betrachter sprechen können in Kapellen für den suchenden Pilger.
Es bewegen mich Erfahrungen vielfältiger Art die ich im bisher gelebten Leben machen konnte, als Betrachter und Erlebender von Kunst und als Schaffender, aber auch Erfahrender aus dem Mitten-Im-Leben stehen. Als Betrachter und Erlebender waren dies Momente der Erschütterung aus der Begegnung mit einem Kunstwerk, Begegnungen die Körper und Seele vibrieren ließen, im Anblick einer unsichtbaren Gestalt die das Kunstwerk in mir erzeugte -- es waren dies Momente die so elementar kraftvoll waren, dass sie auch heute noch gegenwärtig sind, weil unsterblich und die mich schon zu Zeiten, als ich mich nicht mit Fragen der Spiritualität und des Religiösen auseinandersetzte, zu Grenzerlebnissen führte und mich ab diesem Moment für immer mit der aus der Feststellung erwachsenen Frage allein lies: Es ist mir etwas passiert, etwas was aus dem Bild heraus wie mit Lichthänden in mich hineingegriffen und mich verändert hat. Ab diesem Moment bin ich ein anderer. Was war dies? Es ist mir etwas begegnet, was ich finden möchte, was ich als Realität erfasst habe oder auch was mich als Realität erfasst hat. Es ist mir etwas begegnet wie ein Heilendes, wie Tropfen eine gesundeten Balsams, etwas wonach ich mich sehne, was mir ist wie ein Wegzeichen zurück zur verloren Heimat.
Es drängt mich Bilder zu malen auf denen das Schwarz fast alles verdrängt. Dunkelheit bremst die Farbe. Dem aber liegt nicht die Widerspiegelung eines dunklen seelischen Zustandes zugrunde, es findet sich darin nicht das Bild einer Depression. Wenn es eine solche gäbe würde ich gar nicht malen können - Nein - es ist mehr eine Befreiung von dunklen Lasten - immer wenn ich male helfe ich mir. In den schwarzen Bildern reduziere ich. Es ist ein Reduzieren auf ein Minimum - auf ein Minimum überflüssiger und störender sinnlicher Bilder und Eindrücke. Es bleibt nur wenig und dieses Wenige ist Viel. Es ist wie bei einer Geburt. Wird ein Mensch geboren ist er in der äußerlichen Anschauung wenig, klein, nichtskönnend und dennoch Viel, Groß, Besonders, Unfassbar. Das „Wo” er herkommt ist uns wie ein Dunkel. Es dringt mit ihm ein Licht aus einem belebten Dunkel zu uns. Der Tag verdankt seine Schönheit der Nacht.
Ich möchte einen Engel malen. Ich möchte ein Bild malen können, so als würde ein Engel sprechen, in seinem Sprechen hörbar und dann sichtbar werden. Den Betrachter erschüttert seine Schönheit sanft und mächtig, der Betrachter wird ergriffen und dies auch dann, wenn ich ein rein weißes Bild gemalt hätte in dem der Engel unsichtbar Platz nähme. |